Kiwoko Referral Hospital

Ankerpunkt für eine ganze Region

Überblick

Das Kiwoko Hospital ist ein privates Krankenhaus im Herzen Ugandas. Es wurde 1991 eröffnet und entwickelte sich über die Jahre zu einem zentralen Anlaufpunkt für die Menschen aus der ländlichen Region. Aktuell verfügt die Klinik über rund 200 Betten aufgeteilt auf fünf Stationen. Jährlich werden so eine Vielzahl von Patienten ambulant sowie stationär behandelt und circa 1800 Operationen durchgeführt. Mit über 400 Mitarbeitern gehört das Kiwoko Hospital zudem zu den größten Arbeitgebern in der Region. Die Finanzierung des Krankenhauses erfolgt einerseits aus Behandlungskosten und Ausbildungsgebühren, darüber hinaus ist die Klinik aber auf die Unterstützung durch gemeinnützige Organisationen und Partner angewiesen, ohne die ein Krankenhausbetrieb kaum möglich wäre.

Folgende Abteilungen sind im Kiwoko Referral Hospital untergebracht:

  • Gynäkologie
  • Neonatologie
  • Kinderstation
  • Chirurgie
  • Innere Medizin
  • Tuberkulosestation
  • HIV-Ambulanz
  • Labor
  • Radiologie
  • Psychiatrie
  • Schule für Gesundheitspflege

Des Weiteren wird über das sogenannte „Outreach Program“ medizinisch ausgebildetes Personal in entlegene Dörfer der Region geschickt, um die Menschen vor Ort mit Medikamenten und Impfstoffen zu versorgen. Auch ein HIV-Aufklärungsteam und eine Schwangerschaftsbetreuung sind Teil dieses Programmes.

Die Entstehung des Krankenhauses

Einfahrt in das Krankenhausgelände
Einfahrt in das Krankenhausgelände

Das Kiwoko Hospital wurde 1989 von dem irischen Arzt Ian Clarke gegründet. Bereits 1988 kam der Allgemeinmediziner aus Bangor, Nordirland, zum ersten Mal nach Uganda. Zu dieser Zeit waren große Teile des Landes aufgrund des Bürgerkrieges verwüstet und viele Menschen kämpften um das Überleben. Auch Kiwoko, dass sich im sogenannten Luwero Dreieck befindet, blieb nicht verschont. Als der junge Ire zum ersten Mal die Gegend besuchte waren fast alle Häuser zerstört. Nur die örtliche Kirche war noch intakt geblieben. In diesem schrecklichen Szenario begann Dr. Clarke schon bald mit seiner ärztlichen Tätigkeit. In seinem Buch "Missionaries" schildert der Autor Julian Pettifer die damalige Situation wie folgt:

"Nur wenige Gebiete Ugandas haben eine tragischere Geschichte zu erzählen als das grüne und fruchtbare Ackerland nördlich von Kampala, das als Luwero-Dreieck bekannt ist. In dem tragischen Krieg der Vergeltung, der die Jahre des Obote-Regimes in Uganda blutete, wurde das Gebiet systematisch zerstört. In diesem düsteren Klima besuchte Ian Clarke, ein christlicher Arzt aus Nordirland, Luwero. Er eröffnete eine Klinik auf den Stufen einer von Kugeln durchsetzten Kirche. Der Boden der Kirche war sein Operationstisch, und in der Tür gab der lokale Pastor, ironischerweise Livingstone genannt, die Medikamente aus."

Dr. Clarke wurde schnell bewusst, dass die Menschen langfristige und strukturierte medizinische Hilfe brauchten. Nach kurzzeitiger Rückkehr nach Nordirland kündigte er dort seine Anstellung in einem Gesundheitszentrum und zog zusammen mit seiner Familie nach Uganda. In der Region um Kiwoko war er zunächst der einzige qualifizierte Mediziner.

Zunächst beschloss der Arzt deshalb die örtlichen Dorfbewohner in einfacher Gesundheitsfürsorge und Hygiene auszubilden. So lehrte er Bewohner aus dem Dorf über die wichtigsten Krankheiten und deren Therapie. Dadurch war es möglich viele Menschen, die zum Beispiel unter Malaria litten, zu therapieren. Darüber hinaus wurden auch Besuche in weiter abgelegene Dörfer durchgeführt, um die Menschen in diesen Gebieten zu behandeln und zu impfen. Schon bald war der Wille für die Eröffnung eines Krankenhauses da, um die medizinische Versorgung in der Region zu verbessern. Zunächst fehlten jedoch die finanziellen Mittel für den Bau einer Klinik, weshalb lediglich eine Apotheke eröffnet werden konnte. Erst Spenden aus Nordirland machten es möglich, mit der Errichtung eines Krankenhauses zu beginnen. Als Ausgangspunkt diente das Fundament einer alten Schule. Die Dorfbewohner entfernten anfangs das dichtgewachsene Elefantengras und legten so das Territorium für das zukünftige Krankenhaus fest. Anschließend wurde Schritt für Schritt mit dem eigentlichen Bau begonnen. Ziegelsteine wurden von zerstörten Häusern herangeschleppt, andere Baumaterialien wurden von den Einheimischen direkt vor Ort hergestellt. Es dauerte 24 Monate bis zur Fertigstellung der Klinik – ein Projekt, das nur durch weitere Spenden von kirchlichen Organisationen oder Privatpersonen ermöglicht wurde.

Nachdem Dr. Clarke aufgrund gesundheitlicher Probleme zurück nach Nordirland ziehen musste, setzte Dr. Richard Montgomery die Arbeit seines Vorgängers fort. Über die Jahre wurde die Klinik stets von den Nachfolgern von Dr. Montgomery erweitert und ausgebaut, bis sie eine beachtliche Größe erreichte. In der einheimischen Bevölkerung wurde das Krankenhaus bald sehr geschätzt und Menschen aus allen Teilen der Region kamen, um sich behandeln zu lassen. Trotz mangelnder Finanzierung versucht das Krankenhaus bis heute die bestmögliche medizinische Basisversorgung für die Menschen rund um Luweero zu gewährleisten.

Die Situation vor Ort

Das Krankenhaus versorgt heute ca 70.000 Patienten im Jahr aus der Region und weiteren anliegenden Distrikten. In zwei Operationssälen werden jährlich circa 1800 kleinere und teilweise größere Eingriffe mit einfachem OP Instrumentarium durchgeführt. Für komplexere Operationen fehlt das nötige Equipment und Know-how.

Die Stationen bestehen aus großen Räumen mit einfachen Betten, in denen nicht selten 10-15 Patienten untergebracht sind. Aufgrund der konservativen Einstellung der Bevölkerung werden diese Stationen stets nach Geschlechtern getrennt geführt.

Momentan arbeiten zwei Chirurgen, zehn Internisten und einige Gynäkologen im Kiwoko Hospital. Sie alle leben auf dem Krankenhausgelände und leisten teilweise rund um die Uhr ihren Dienst um die hohe Anzahl an Patienten zu versorgen.

Da das Kiwoko Hospital ein privates Krankenhaus ist, wird es kaum vom Staat unterstützt und ist auf Spenden und Gebühren der Patienten und von außerhalb angewiesen. Auch wenn sich die Kosten für eine einfache Behandlung auf umgerechnet einen Euro belaufen ist dies für viele Bewohner der Region kaum zu stemmen. Dennoch ist ein Grundsatz der Klinik, dass keine Patienten abgelehnt werden dürfen und so versucht man das entstehende Loch im Finanzhaushalt durch Spenden auszugleichen.

Karte des Krankenhausgeländes


Eindrücke aus dem Kiwoko Hospital

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